Mozart - 350 Jahre Jubiläum

LEOPOLD 1719/2019 300. Geburtstag von Leopold Mozart „Ein Mittler zwischen Welten“
2019 feiert die Welt Leopold Mozarts 300. Geburtstag.

Als Geburtsstadt hat Augsburg die erste Berechtigung und Verpflichtung dazu. Im Gegensatz zu einem „Wolfgang-Mozartjahr“ liegt die Art und Weise der Feierlichkeiten aber nicht auf der Hand, denn das Bild, das von Leopold Mozart in der Öffentlichkeit vorherrscht, ist weitaus weniger prominent und sehr reduziert. Selbst in seiner Geburtsstadt Augsburg ist Leopolds Bekanntheitsgrad nur marginal, verglichen mit der Geburtsstadt seines Sohnes Salzburg und dessen dortiger Omnipräsenz. Das Jubiläumsjahr 2019 soll daher dazu genutzt werden, den Bekanntheitsgrad Leopolds in seiner Geburtsstadt zu steigern.  INHALTLICHES LEITBILD Leopold Mozart war eine der interessantesten und vielschichtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit, ein universeller Geist im besten Wortsinn. Als inhaltliche Überschrift des Jubiläumsjahres steht  Leopold Mozart als der aufgeklärte Europäer. Diese Eigenschaft beeinflusst alle weiteren Bereiche:  der Musiker (aktiver Musiker, Komponist)  der Pädagoge (Vater und Lehrer seiner Kinder, Familienbild, Violinschule)  der Musikmanager und Netzwerker (Prototyp des modernen Musikmanagers)  der Augsburger (Gesellschaftliche Voraussetzungen und Umfeld) Als aktiver Musiker erreichte Leopold zumindest in Ansätzen das, was seinem Sohn zeitlebens verwehrt blieb: als Salzburger Vizekapellmeister bekleidete er eine höhere Anstellung an einem Fürstenhof. Bis ganz nach oben schaffte er es allerdings nie. Dennoch war Leopolds Ruhm als Komponist enorm, verflog nach seinem Tod aber auch aufgrund der schwierigen musikgeschichtlichen Einordnung schnell (ein Schicksal, dass er mit vielen erfolgreichen Komponisten der Zeit teilt) und leider ist ein Großteil seines Opus verschollen. Dennoch zeigt Leopolds erhaltene Musik in vielen Bereichen den Einfluss, den er kompositorisch auf Wolfgang hatte. Zudem steckt in vielen frühen Kompositionen Wolfgangs ein großer Teil Leopold. Im Geburtsjahr seines Sohnes erschien in Augsburg Leopolds wichtigstes Werk, der „Versuch einer gründlichen Violinschule“.

Das universelle Kompendium des Violinspiels im 18. Jahrhundert ist bis heute ein Standardlehrwerk und zeugt von der umfassenden musikalischen Bildung Leopolds. Die Tätigkeit als Lehrer seiner beiden Kinder ist wohl Leopolds weltweit populärstes Verdienst und spricht für die eigenen Fertigkeiten. Es ist von Legendenbildung umrankt, wie sehr Wolfgang unter Leopold zu leiden hatte. Die Briefe der beiden sprechen hier bei genauem Hinsehen eine ganz andere, liebevolle Sprache und das Familienbild, das Leopold pflegte, war für die Gesellschaft der Zeit ausnehmend modern und vom Geist des Humanismus geprägt. Für ein „Klima der Angst“ oder patriarchale Unterdrückung gibt es dagegen keine Belege. Leopold erkannte das unvergleichliche Talent seiner Kinder und sorgte im Stil eines modernen Musikmanagers dafür, dass diese europaweit bekannt wurden. Dabei konnte er auf ein außerordentliches Netzwerk zurückgreifen, das die Konfessions-, Länder- und Adelsgrenzen überwand. Leopold ging es aber nie darum, seine Kinder seelenlos zu verkaufen. Alle Reisen plante er so, dass insbesondere Wolfang an den verschiedenen Zielen von den besten Musikern der Zeit lernen konnte. Man kann also durchaus von nachhaltiger Karriereplanung sprechen. Dieses Netzwerk war nur durch Leopold Mozarts Selbstverständnis als überzeugter, aufgeklärter Europäer möglich. Den Grundstein hierfür legte die (jesuitische!) Bildung, die er selbst in Augsburg erfahren hatte und auch das bürgerlich-gesellschaftliche Leben in Augsburg, das seit der Renaissance ausgesprochen weltoffen geprägt war. Leopold war Mitglied in zahlreichen Zirkeln der prominenten Aufklärer der Zeit und empfand nur eine umfassende europäische Bildung mit humanistischen Idealen als zukunftsfähig. Diese Überzeugung lag allen seinen Entscheidungen zugrunde und Leopold vermittelte die Werte auch seinen Kindern. Eine Facette an Wolfgang, die zumeist leider untergeht. Wenn Augsburg also Leopolds 300. Geburtstag feiert, so muss es zuvorderst darum gehen, die verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit Leopold Mozarts herauszuarbeiten und darzustellen. In einer Zeit, in der die Europäische Frage im Großen und die Frage der (musikalischen) Bildung im Kleinen im Zentrum der gesellschaftlichen und politischen Debatten stehen, kann man erkennen, wie aktuell und zeitgemäß die Person Leopold Mozart ist und wie viel er zur gegenwärtigen Debatte beitragen kann. Gleichfalls muss es eines der Ziele des Festjahres sein, das Bewusstsein der Augsburger Bevölkerung für Leopold Mozart zu steigern und damit gleichzeitig für die eigene Bedeutung, dessen Geburtsstadt zu sein.

 STÄDTISCHE PROJEKTE ZUM JUBILÄUMSJAHR  Deutsches Mozartfest (verteilt über den Mai 2019)
 Internationaler Violinwettbewerb Leopold Mozart (31. Mai – 8. Juni 2019)  Festakt zum 300. Geburtstag (am 14. November 2019)  Jahresprogramm der Musikvermittlung MehrMusik! 
Lange Kunstnacht (15. oder 22. Juni 2019)  Leopold Mozart Biographie (vorr. Oktober 2019)

 JAHRESPROGRAMM ZUM JUBILÄUMSJAHR Nachhaltigkeit spielt bei den Planungen eine große Rolle, gleichzeitig soll das Festjahr keine von der Stadt der Bevölkerung aufgesetztes Jubiläum sein, sondern die einzelnen Bausteine sollen die Teilhabe der Bürgerschaft sichern und auch aus dieser heraus entstehen. Alle Kulturschaffenden der Stadt sowie der Region Augsburg sind daher eingeladen, sich mit eigenen Projekten am Jubiläumsjahr zu beteiligen. Es ist geplant, Ende 2018 ein Jahresprogramm mit allen Veranstaltungen zu veröffentlichen, dies soll sowohl in gedruckter Form als auch online auf www.mozartstadt.de geschehen. Inhaltlich sind keinerlei Grenzen gesetzt, solange die Veranstaltungen einen klaren Bezug zum Leopold Mozart Jubiläum haben. Ein einzelnes Chorkonzert kann beispielsweise also genauso Teil des Jahresprogramms sein, wie ein langfristiges interdisziplinäres Projekt.